Vollzeitjob und Kind – Mareike gewährt uns einen Einblick

Das Ende meines Studiums ist nicht mehr weit. Wie ich bereits berichtet habe, sind sowohl ich als auch mein Freund noch Studenten. Manchmal ist es wirklich hart, dennoch bekommen wir es irgendwie hin, unsere Zeit so gut zu planen, dass sowohl der Sohn als auch das Studium und wir als Paar einen Platz finden. So sehr ich mich auf das Ende freue, habe ich gleichzeitig Angst, was danach kommt. Wie bekommt man Job und Kind unter einen Hut?

Die liebe Mareike hat mir hierzu ein paar Fragen beantwortet. Vielen Dank für den netten Kontakt.

Mareike ist 36 Jahre jung und ihr Mann ist 46. Zusammen haben sie einen zehnjährigen und einen zweijährigen Sohn.

Liebe Mareike, kurz zu deiner Ausbildung. Was hast du gemacht?

Meine universitäre Ausbildung war etwas holprig, bis ich irgendwann am Ziel angekommen war. Ich habe erst 2 Semester Sozialwissenschaften studiert, dann auf Lehramt gewechselt, nach wieder 2 Monaten gewechselt: Germanistik, Französische Sprachwissenschaften und Psychologie auf Magister studiert und abgeschlossen.

Das kenne ich irgendwoher, aber woher soll man wissen, was man wirklich will, wenn man nicht verschiedene Dinge ausprobiert hat?

 Und wann kamen eure Kinder in euer Leben?

Mitten in der Prüfungszeit wurde mein erster Sohn geboren. Durch die Schwangerschaft wurde ich sehr träge und müde, aber zum Glück hatte ich alle Scheine und musste nur noch das Abschlusskolloquium besuchen, nebenbei habe ich für meine Professorin gearbeitet. Es war anstrengend, ging aber. Zum Glück hat mich meine Professorin gedrängt, nach der Geburt schnell mit der Arbeit an der Magisterarbeit zu beginnen, bevor ich zu sehr raus aus dem Thema bin. Das war genau richtig, ich hatte nämlich alles andere im Kopf als mich mit sprachwissenschaftlichen Theorien zu beschäftigen! Mein Sohn war ein Schreikind und verlangte sehr viel Nähe, die ich ihm nur zu gerne gab, außerdem schlief er erst mit 3 Jahren wirklich durch, das hat es auch nicht einfacher gemacht. Dadurch, dass ich nur noch die Arbeit schreiben musste, hat es aber doch ganz gut geklappt.

Du kannst unglaublich stolz auf dich sein! Ich war auch früh wieder an der Uni, aber leicht ist es nicht gerade.

 Hast du nach deinem Abschluss schnell einen Job gefunden? Man hört ja vieles… Mamas haben mit Vorurteilen zu kämpfen und Papas können eher problemlos ins Arbeitsleben starten.

Als ich mir eine Arbeit suchen wollte, habe ich gemerkt, dass das als Mama gar nicht so leicht ist, vor allem mit meinem etwas diffusen Magister – damit konnte niemand etwas anfangen…
Ich bin dann an einem Gymnasium als Vertretungslehrkraft gelandet und habe mir gedacht, dass es das ist. Ich wollte mich aber nicht von einer Vertretungsstelle zur nächsten hangeln, sondern richtig Lehrerin sein – voll bezahlt und anerkannt.
Das bedeutete: Wieder studieren… Nicht ganz von vorne, vieles wurde mir anerkannt, aber es war doch noch einiges und wieder eine ganze Prüfungsphase… Da mein Sohn aber mittlerweile gut im Kindergarten versorgt war, hat das ganz gut geklappt und ich habe mit sehr guten Noten mein erstes Staatsexamen gemacht.
Das zweite Staatsexamen (Referendariat) war sehr anstrengend, weil es so zeit- und arbeitsintensiv war, aber auch das habe ich gut hinter mich gebracht, wenn auch mit einigen Tränen der Erschöpfung und Überforderung – aber mit der Abschlussnote 1,05. Allerdings hat das nur funktioniert, weil mein Mann mir so viel abgenommen hat und auch meine Eltern und Schwiegereltern immer wieder gerne eingesprungen sind.
Mein Wunsch nach einem zweiten Kind war riesengroß, aber ich wollte mein nächstes Kind auf gar keinen in einer Ausbildungssituation bekommen.
Also wartete ich, bis ich meine erste feste Stelle hatte. Nach einem Jahr bin ich dann in den Mutterschutz – es hat ziemlich schnell geklappt.

Das lässt ja hoffen. Einige Umwege, aber das ist ja völlig legitim und bei mir nicht anders, aber scheinbar bist du dennoch einen super Weg gegangen. Ein gutes Netzwerk ist meiner Meinung nach einfach wichtig. Freut mich zu hören, dass das bei euch gepasst hat.

 Du hast gesagt, dass du kurz nach Beginn deines Jobs wieder schwanger wurdest. Hat das gut geklappt?

Der Übergang zum Job war zunächst nicht so anstrengend, da mein Sohn auch älter war und sich viel mit Freunden verabredet hat, so kam nichts und niemand zu kurz.
Die Schwangerschaft in einem Vollzeitjob war allerdings sehr anstrengend. Ich habe zwar bis zum Schluss durchgehalten, aber das war schon hart.
Nach einem wunderschönen Jahr in Elternzeit bin ich mit 17 Stunden eingestiegen, was sehr gut machbar war. Mit 2 ist der Kleine in den Kindergarten, was gut geklappt hat, allerdings hat mein Mann die Eingewöhnung übernommen. Ich wäre gerne dabei gewesen, aber es ging nicht. Da war es zum ersten Mal so, dass es mich ein wenig zerrissen hat – ich konnte nicht alles haben. Entweder Kind, oder Job. Ich habe dann auf Vollzeit aufgestockt, da es sich finanziell für uns einfach viel mehr lohnt, wenn ich mehr arbeite. Ich arbeite auch super gerne, ich liebe meinen Job. ich habe auch genug Zeit für meine Familie, allerdings muss ich fast immer abends an den Schreibtisch, an den Wochenenden ebenfalls, das schlaucht, denn für mich selber habe ich somit so gut wie nie Zeit.
Zum Glück ist mein Mann selbstständig und so flexibel, dass er sehr viel auffangen kann. Und wir haben weiterhin die Unterstützung unserer Eltern.

Du sprichst meine große Sorge an, man bleibt selbst auf der Strecke. Ich weiß, dass mir das absolut nicht gut tun würde. Ich muss zufrieden und ausgeglichen sein, damit ich das an mein Kind weitergeben kann.

Fühlst du dich durch deinen Vollzeitjob als schlechtere Mutter und hast mit Vorurteilen zu kämpfen?

Nein, überhaupt nicht. Es ist unsere Entscheidung gewesen, dass wir es so regeln und mein Mann kann als Vater vieles genauso gut, was sonst üblicherweise Mütter übernehmen.
Ich habe nicht das Gefühl, dass ich meiner Familie nicht gerecht werde, aber ich merke, dass ich ganz oft zu kurz komme. Ich kann keinen Sport machen, komme kaum zum Lesen, sehe nur wenig Fern oder Serien, usw. Aber ich weiß, wofür ich es tue und ich weiß auch, dass in 2-3 Jahren alles etwas einfacher wird, wenn der Kleine selbstständiger wird und sich auch mal verabredet oder besser alleine beschäftigen kann. Ich arbeite einfach viel zu gerne, um mich in dem Bereich einschränken zu wollen. Kritik habe ich noch nie gehört. Eher Respekt, dass das alles irgendwie doch so gut klappt.

Schön, dass du Respekt entgegen gebracht bekommst für das was du leistest. So soll es sein.

Hast du zum Schluss vielleicht noch einen Ratschlag für Mütter wie mich, die bald ins Berufsleben starten?

Unbedingt ein gutes Netzwerk schaffen! Wenn keine Verwandten da sind, mit Freunden absprechen, gegenseitig Kinder hüten, damit immer jemand Vertrautes für das Kind da ist, wenn es mal nicht anders geht.
Sich als Eltern nicht aus dem Blick verlieren, immer ehrlich bleiben und Sorgen und Nöte teilen. Vielleicht auch mal unkonventionelle Wege gehen, nur weil die meisten es auf die eine Art machen, kann für einen selbst trotzdem ein anderer Weg der bessere sein…

Mareike, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten. Ich habe das Gefühl, dass du und dein Mann ein starkes Team seid. Das freut mich zu hören und ich hoffe, dass es bei uns ebenso gut klappt. Ich drücke die Daumen, dass du bald etwas mehr Zeit für dich hast.

Alles liebe für dich und deine Familie.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s