Studium mit Kind: soll ich den Schritt wagen?

Ich bin nun seit 2 Jahren studierende Mama, es ist an der Zeit ein Fazit zu ziehen. Würde ich es nochmal so machen? Bekommt man alles unter einen Hut ?

Ich habe meine persönliche Meinung zu dem Thema für diejenigen aufgeschrieben, die sich noch nicht sicher sind. Natürlich ist die Situation bei jedem anders, zumal bei uns beide Elternteile noch Studenten sind. Ich bin mitten im Studium schwanger geworden. Da ich alt genug bin, um die Verantwortung für ein Kind zu tragen und einen tollen Partner habe, habe ich gar nicht erst die Vor- und Nachteile einander gegenüber gestellt. Denjenigen, die mit etwas mehr Plan als ich durch’s Leben gehen, möchte ich kurz meine Erfahrungen schildern.

Schwangerschaft

Plan: ALLE Klausuren planmäßig schreiben, Kind bekommen, weiter geht’s.

Realität: 9 Monate Übelkeit und Erbrechen, Pfeiffersches Drüsenfieber, tägliche Heulkrämpfe, alle Klausuren geschrieben, keine einzige bestanden ( in 2 Klausurenphasen).

Was ich damit sagen möchte: Egal was man sich vornimmt, es kann sein, dass es einem nicht allzu gut geht und die Pläne somit scheitern. Das ist natürlich nicht schlimm und es kann auch genau gegenteilig ablaufen, aber man sollte sich nicht zu sehr unter Druck setzen.

Die Zeit nach der Geburt

Plan: 3 Klausuren schreiben

Realität: 3 Klausuren geschrieben, alle bestanden

Was mit dir und deinem Körper nach der Schwangerschaft geschieht, weißt du natürlich nicht vorher. Mir ging es zum Glück relativ gut und somit konnte ich kurz nach der Geburt wieder Klausuren schreiben. Der Papa hat ein Semester Pause gemacht und somit hatte ich die Zeit und Ruhe zum Lernen, gleichzeitig aber auch viel Zeit mit meiner kleinen Familie.

Fazit zur Schwangerschaft und der Zeit nach der Schwangerschaft:

Wäre ich nochmal in der Situation, würde ich mir KEINE Ziele für diese Zeit setzen. Es hat mich persönlich sehr unter Druck gesetzt.

Zeitmanagement

Das ganz große Thema bei uns. Ein Studium mit Kind bedeutet nicht, dass das Kind von 9 bis 15 Uhr bei der Tagesmutter (oder im Kindergarten) ist, du diese Zeit effektiv zum Lernen nutzen und die Bücher, sobald das Kind im Bett ist, wieder aufklappen kannst. Zumal das Kind ja nicht von Geburt an zur Tagesmutter gebracht wird. Es gibt SOOOOOOO viel zu tun. Wenn ich an der Reihe bin, den kleinen zur Tagesmutter zu bringen, dann bin ich gegen halb 10 wieder zu Hause und habe selbst noch nicht gefrühstückt. Der Haushalt wartet, ich mag es nicht, wenn das Wohnzimmer voller Spielsachen ist und die Küche kann auch jeden Tag aufs Neue geputzt werden. Wäsche waschen, einkaufen und sonstige Erledigungen nehmen Zeit in Anspruch. In der intensiven Lernphase habe ich höchstens 2 Stunden am Morgen zum Lernen, höchstens! Denn ich muss auch noch zu den Vorlesungen, an manchen Tagen arbeiten und einmal die Woche habe ich Praktikum ( der Tag fällt dann ganz weg). Mittags möchte ich natürlich auch etwas in den Magen bekommen und eine kurze Verschnaufpause (so wie jetzt gerade), brauche ich auch. Der Papa hat einen Werkstudentenjob (3 x Woche). An den Tagen an denen er zu Hause ist, teilen wir uns diese Dinge so gut es geht ein, an den anderen Tagen bin ich allein dafür verantwortlich, da fällt auch oft das Mittagessen aus, weil ich es einfach nicht schaffe. Um 3 Uhr holt einer von uns den kleinen Mann ab. Die Zeit bis zum Schlafen gehört ihm (außer in der heißen Phase, da ist einer von uns meistens im anderen Raum oder in der Bibliothek zum Lernen). Viele stellen sich den Tag mit Kind super witzig vor. Spielplatz, kuscheln, Blödsinn machen, alle sind glücklich und lachen den ganzen Tag. Nein! Falsch! Natürlich macht ein Kind super viel Spaß und bringt Leben und Liebe ins Haus, aber manchmal ist es eben auch wahnsinnig anstrengend. Man hat selbst gerade keine Lust auf irgendwas, ist genervt, muss aber dennoch funktionieren. Wenn das Kind im Bett ist (bei uns so gegen 8), ist der Tag für mich meistens gelaufen. Ich bin total fertig und wünsche mir nichts mehr als Ruhe, aber meistens muss ich dann doch nochmal an den Schreibtisch. Leider wacht genau dann, wenn ich mich motiviert habe 52130 mal das Kind auf. Ich werde ewig unterbrochen, wenn ich gerade mitten im Thema stecke und schaffe letztendlich GAR NIX. Je mehr ich möchte, dass der kleine Mann schläft und ich diese beschissene Aufgabe endlich beenden kann, desto weniger tut er das. Er merkt, dass Mama gestresst ist und in diesen Momenten könnte ich heulen. Es tut mir so leid, dass ich ständig unter Strom bin. Hinzu kommt, dass die Tagesmama natürlich auch Urlaub hat, meistens genau dann, wenn Klausuren anstehen. YEAH… oder das Kind wird krank, genau dann, wenn Klausuren anstehen…nochmal YEAH. Nach den Klausurenphasen merke ich jedes Mal, dass die völlige Erschöpfung eintritt und ich bereue dieses Studium zutiefst.

Andererseits: Das Studium ist nicht so verpflichtend wie eine Arbeitsstelle. Heißt, wenn mein Kind krank ist, dann fehle ich eben in der Uni. Das ist der Uni egal (es sei denn es besteht Anwesenheitspflicht). Wenn ich eine Klausur nicht bestehe, kann ich sie im nächsten oder übernächsten Semester wiederholen oder ich trete die Klausur gar nicht erst an. Meistens werden die Übungen zu den Vorlesungen mehr als 1 mal in der Woche angeboten und somit schaut man, wie es einem am besten passt und sich mit den Zeiten der Tagesmama vereinbaren lässt. Zwar quetscht man das Lernen immer irgendwo zwischen, aber ich persönlich nutze diese Zeit dann auch intensiver als ich es vor meiner Schwangerschaft gemacht habe. Die Doppelbelastung weckt ungeahnte Kräfte und ich habe sehr viel über mich lernen dürfen.

Auch wenn der Text mit den negativen Aspekten viel länger ist (ich neige zum Rumheulen über alles), überwiegen für mich definitiv die positiven Aspekte. Ich habe trotz allem sehr viel Zeit für mein Kind. Da das Lernen nicht an aller erster Stelle steht, sondern mein Sohn, habe ich viele Klausuren geschoben und nach meinem Powerstart nach der Geburt, einen Gang zurück gefahren. Für mich ist das okay. Ich habe auch schon von einigen gehört, dass sie ihr Kind zu den Vorlesungen mitnehmen. Für mich wäre das keine Option, aber trotzdem sollte man das in seine Entscheidung einbeziehen. Vielleicht ist es ja möglich?

Finanzen

Ich würde mich vor Beginn des Studiums darüber informieren, ob ein Anrecht auf BAföG besteht oder nicht. Es gibt einen extra Zuschlag für das Kind und auch für die Erstausstattung von diesem (vorausgesetzt man erhält überhaupt BAföG). Normalerweise ist es verpflichtend das Studium in Regelstudienzeit zu beenden, um durchgehend BAföG zu erhalten. Der Förderungszeitraum verlängert sich jedoch durch Schwangerschaft und Kindeserziehung, der Rückzahlungsbetrag verändert sich durch ein Kind ebenso zu deinem Vorteil. Um genaueres darüber zu erfahren, ob dies auch für dich gilt, wende dich am besten an deine bevorzugte Uni.

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Betreuung

Wie bereits erwähnt, geht unser kleiner Zaubermann zur Tagesmama. Als sehr wichtig empfinde ich zusätzlich ein gutes Netzwerk an Freunden und/oder Famile. In der heißen Phase ist der Zaubermann gerne mal stundenweise oder über Nacht bei Oma und Opa. Auch unsere Freunde (großen Dank an dieser Stelle an Racelette-Gruppe 1 und 2) helfen uns immer sehr gerne, wenn wir lernen müssen. Bevor ich mich für ein Studium mit Kind entscheiden würde, würde ich also zuerst schauen, ob ich Personen im Umfeld habe, die mir helfen.

 

Ich hoffe ich konnte einen realistischen Einblick in das Leben mit Studium und Kind geben. Zusammenfassend möchte ich sagen, dass ich, in meiner Situation, nichts bereue. Klar denke ich zwischendurch: WARUM?????? Aber ein Vollzeitjob wäre wahrscheinlich nicht unbedingt einfacher. Natürlich würde ich mehr Geld zur Verfügung haben, aber ich arbeite ja gerade darauf hin, dass es in nicht allzu ferner Zeit finanziell besser aussieht.

Ich drücke allen die Daumen und hoffe ihr bringt den Mut für ein Studium mit Kind auf, wenn das euer Wunsch ist.

Liebe Grüße,

Marie

 

 

 

3 Gedanken zu “Studium mit Kind: soll ich den Schritt wagen?

  1. Summer schreibt:

    Hallo Marie, das ist eine gute Zusammenfassung und ich habe es ähnlich erlebt. Voll gut, dass du es aufschreibst, wenn es noch so frisch ist. Ich finde nämlich, dass man das entweder vergisst oder später dann als gar nicht mehr so anstrengend empfindet.
    Alles Gute weiterhin von Summer 🙂

    Gefällt 1 Person

  2. Juristin schreibt:

    Hat dies auf Juraexamen mit Kind – war Justitia Mutter? rebloggt und kommentierte:
    Heute ein neuer Beitrag in der Kategorie „Eltern im Job“ – die ich jetzt in Job und Ausbildung (Studium / Referendariat) aufteilen will. Gerade in der Ausbildung, die entsprechend meistens aus Lernen, also Eigenarbeit besteht, merkt man oft schnell, dass diese genauso unsichtbar ist wie Hausarbeit. Niemand sieht sie wirklich, niemand erkennt sie wirklich an, nur dann, wenn es nicht klappt, und ganz schnell ist das Lernen das erste, was „hintenrunterfällt“ wenn’s brennt, obwohl es ja eigentlich die Hauptarbeit ist – nur ohne Geld. So ist zumindest mein persönlicher Eindruck. Habt ihr es ähnlich, oder gnaz anders erlebt? Macht gerne mit, schreibt oder verlinkt Euren Beitrag zum Thema in den Kommentaren.

    Heute kommt ein Beitrag von Marie, in dem sie ihr persönliches Fazit von zwei Jahren Studium mit Kind zieht. dabei studieren hier beide Eltern. Viel Spaß beim Lesen!

    Gefällt 1 Person

  3. Plumenkind schreibt:

    Hallo Marie,
    dies ist ja ein älterer Post, aber ich habe ihn jetzt erst gelesen, weil er mir jetzt vorgeschlagen wurde. Ich finde diesen Beitrag sehr interessant! Der Blog ist gerade genau das, wonach ich gesucht habe!
    Ganz liebe Grüße.

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